Die Landschaft entschädigt für Vieles

Münchner Merkur, Wochenende, 6./7. August 2016 | Nr. 181 | Das Würmtal

Trotz Preisen von zehn Euro für ein Sandwich zieht es seit der EM immer mehr Würmtaler nach Island

Sie waren die Helden der diesjährigen Fußball-Europameisterschaft: die Isländer. Die Nationalmannschaft schaffte es nicht nur völlig überraschend bis ins Viertelfinale. Auch der isländische Schlachtruf ist schon jetzt legendär. Da ist es kaum verwunderlich, dass der Inselstaat immer mehr in den Fokus der Touristen rückt. Auch die Würmtaler zieht es vermehrt in den Norden.

Dafür gibt es zwar handfestere Gründe als ein imposantes „Huh“ aus den Kehlen von Fußballern und tausenden Fans. Aber: „Seit der EM ist die Nachfrage deutlich gestiegen“, sagt Tobias Staab vom Planegger Reisebüro SWS. Die Klientel sei bunt gemischt. Unter anderem Familien und Ehepaare würden sich für eine Reise nach Island interessieren.

Eines gibt Staab jedoch zu bedenken: „Island muss man sich leisten können.“ Denn obwohl auch die anderen nordischen änder relativ teuer seien, setzte Island dem Ganzen die Krone auf.

Viele Reisende sehen sich aber vor allem nach Sicherheit. Tobias Staab: „Seit dem Militärputsch in der Türkei zieht es noch mehr Touristen in den Norden.“ Das bestätigt auch eine Mitarbeiterin des Tui-Reisecenters in Planegg. Die Kunden würden immer öfter Ausweichmöglichkeiten suchen und dabei vor allem den Norden für sich entdecken. Auch für Island würden sich die Kunden schon das ganze Jahr über interessieren.

Ulrike Höfer, ehemalige Bürgermeisterin von Planegg, ist dem Inselstaat im Nordatlantik schon lange verfallen. Vor über 30 Jahren hat sie Island für sich entdeckt. Gemeinsam mit ihrem Mann hatte sie damals für ein Reiseunternehmen gearbeitet und ursprünglich Wanderreisen durch Finnland organisiert.

Bis irgendwann Island in den Fokus ihrer Aufmerksamkeit rückte. „Es ist vor allem die Natur, die mich so fasziniert“, sagt Höfer. Nicht weit von der Hauptstadt Reykjavik entfernt findet man unberührte Landschaften. Schwarze und grüne Lavaflächen, imposante Wasserfälle und heiße Quellen prägen das Bild.

Für jüngere Leute sei es besonders spannend, das Hochland mit einem Geländewagen zu erkunden oder eine Tour auf den Gletscher zu unternehmen. „Seit ungefähr zwei Jahren wird Island von Touristen förmlich überrannt“, erzählt die ehemalige Bürgermeisterin. Weil der Dollar günstig zur Krone steht, sind momentan vor allem Amerikaner vor Ort. Die Planeggerin erwartet im nächsten Jahr vor allem Deutsche und Franzosen in Island.

Die Insel mit ihren gut 300000 Einwohnern, die 2008 nur knapp dem Staatsbankrott entging, erlebt gerade einen extremen Andrang. Kamen 2010 noch 488000 Urlauber nach Island, waren es im vergangenen Jahr schon 1,3 Millionen. Und tatsächlich sind die Deutschen nach Amerikanern und Briten die stärkste Gästegruppe. „Schon jetzt sind hier viele Betten ausgebucht“, sagt Höfer, die selbst regelmäßig vor Ort ist, auch als Reiseleiterin für ein Münchner Büro, das sich auf Reisen zu Vulkanen in der ganzen Welt spezialisiert hat.

Dass Island enorm teuer ist, tut der Faszination anscheinend keinen Abbruch. Ein einfaches Sandwich kostet rund zehn Euro, eine Büchse Leichtbier rund sieben Euro. Ulrike Höfer hat sich daran schon lange gewöhnt. Für sie ist und bleibt Island das absolute Traumziel: „Ich liebe das Land, die Leute und die Sprache.“

VON KARIN PRIEHLER

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