Þingvellir Nationalpark in Island – Geschichte, Touren & Tauchen

Island Ringstraße (Webblog), Informationen, Tipps & Tricks für deine Reise entlang der Ringstraße, 06. August 2017

Þingvellir, dieser Name ist vielen ein Begriff obwohl sie den ersten Buchstaben gar nicht aussprechen oder gar auf ihrer Tastatur tippen können! Der bekannteste Nationalpark Islands liegt nur eine knappe Autostunde von der Hauptstadt Reykjavík entfernt und beheimatet viele Sehenswürdigkeiten. In diesem Beitrag möchten wir dir ein paar Infos an die Hand geben die dir helfen sollen den Park besser zu verstehen und dadurch vor Ort eine bessere Übersicht zu bekommen.

Da die offiziellen Grenzen des Parks nur einen kleinen Teil der Gegend umfassen sei angemerkt, dass ich hier auf alles eingehe was vom Park aus innerhalb eines entspannten Tagestrip zu erreichen ist.

Los geht’s, auf nach Þingvellir…

Die Geschichte des Þingvellir Nationalpark

Þingvellir entstand vor Millionen von Jahren, als sich die nordamerikanische und die europäische Kontinentalplatte voneinander zu trennen begannen. Hierdurch entstand eine Grabenbruchzone zwischen den tektonischen Platten die sich jährlich um 2-4 cm verbreitert.

Die erste geschichtliche Erwähnung stammt aus den Zeiten der ersten Siedler im neunten Jahrhundert. Zu dieser Zeit kamen verschiedene Menschengruppen aus allen Teilen Nordeuropas nach Island um sich hier niederzulassen. Nach einiger Zeit wurde klar, dass man zum Zusammenleben Regeln braucht und so wurde im Jahre 930 hier das Alþing etabliert, ein Parlament das sowohl Gesetze erließ als auch Verurteilungen auf Basis selbiger aussprach.

Darüberhinaus traf man sich hier regelmäßig denn Wege aus dem gesamten Land liefen hier zusammen. In der Allmännerschlucht Almannagjá wurden regelmäßig Treffen und Versammlungen abgehalten.

1944 wurde hier dann schließlich die Republik Island ausgerufen.

Islands Alþingi, das Parlament von Þingvellir

Etabliert im Jahre 930 ist das Alþingi bis zum heutigen Tage das Parlament Islands. Nicht ohne Änderungen natürlich, aber doch in seiner Grundform gleich geblieben. Im alten Island gab es so genannte Godentümer, das kann man sich wie Gemeinden vorstellen in denen es auch eine Art Bürgermeister gab. Hier wurden kleinere Streitigkeiten direkt gelöst. Irgendwann schien es jedoch sinnvoll eine landesweite Gesetzgebung zu etablieren. Man entsandt Ulfjot, einen weisen Mann seiner Zeit nach Norwegen um sich vor Ort anzuschauen wie es in Norwegen funktioniert. Er etablierte nach seiner Rückkehr eine Rechtsprechung durch das das Alþingi nach norwegischem Vorbild.

Jedes Jahr um die Sommersonnenwende tagte man hier im Tal zwischen den Kontinenten, umgeben von vier aktiven Vulkanen. Jeder Gode der entsprechenden Alters und Vermögens war, musste an der Versammlung teilnehmen. Nur wenige freie Bauern, Alte und Kranke durften ihr fern bleiben. Ziel war es, Recht zu sprechen und dafür musste der Rechtssprecher auf den Lögberg (Felsen des Gesetzes) steigen und alle Gesetze die zu diesem Zeitpunkt erlassen waren aus dem Gedächtnis rezitieren.

Die Geographie und Vulkanologie von Þingvellir

In diesem Abschnitt gebe ich rüber zum Vulkanologen Florian Becker von Vulkankultour, der dir als Experte einiges zum Thema Geographie und zu den Vulkanen im Nationalpark Þingvellir sagen kann.

Seit Alfred Wegener wissen wir: die Kontinente der Erde bewegen sich. Manchmal driften sie aufeinander zu, dann kracht’s und es entstehen Gebirge wie der Himalaja oder die Alpen. Manchmal schrammen sie aneinander vorbei, dann mit heftigen Erdbeben, so wie an der San-Andreas-Verwerfung in Kalifornien. Oder sie driften voneinander weg, dann ist diese Bewegung in der Regel recht sanft und es entstehen breite Täler, im Geologensprech „tektonischer Grabenbruch“ genannt.

An solchen Störungszonen ist die dünne Erdkruste regelrecht aufgerissen und Gesteinsschmelze kann bei günstigen geologischen Verhältnissen vom Erdmantel bis zur Oberfläche aufsteigen und mächtige Vulkanketten bilden – die sogenannten „mittelozeanischen Rücken„. Sie sind mit über 60.000 km Länge die größten Gebirge der Erde, nur leider für uns gänzlich unsichtbar, da sie unter der Wasseroberfläche in den Ozeanen der Erde liegen. Doch ein kleiner Teil dieses Gebirgszuges befindet sich auf der (bzw. bildet die) Insel Island, die sich um mehrere Kilometer vom Grund des Atlantik bis über die Wasseroberfläche gehoben hat. Hier können wir den mittelatlantischen Rücken tatsächlich an Land sehen!

Auch hier bewegen sich die, als „Eurasische“ und „Nordamerikanische Platte“ bezeichneten, Puzzlestücke der Erdkruste voneinander weg. Mit einer Geschwindigkeit von rund einem Zentimeter pro Jahr sind diese zwar nicht gerade schnell (zum Vergleich: der Ferrari unter den Erdplatten ist die Pazifische Platte, sie driftet mit atemberaubenden 10 Zentimetern pro Jahr nach Nordwesten). Aber die seit Jahrmillionen gleichbleibende Bewegung hat auf Island ihre Spuren hinterlassen: an vielen Stellen reißt die Erdkruste auf und es hat sich ein mehrere Kilometer breiter Grabenbruch gebildet. Nirgends kann man das schöner sehen als in Þingvellir.

Die Bruchzone verläuft hier in Nord-Süd-Richtung, der Graben ist bereits rund fünf Kilometer breit und wächst jedes Jahr um durchschnittlich zwei Zentimeter. An zahlreichen Stellen verlaufen parallele Spalten, die berühmteste unter ihnen hat sogar einen wunderbar klingenden Namen bekommen: die „Almannagjá„, die „Schlucht aller Männer„. An diesem Ort sind im Jahre 930 nach Christus zum ersten Mal aus allen Landesteilen der gerade neu besiedelten Insel „alle Männer“, bzw. alle als Goden bezeichneten Großbauern, zusammen gekommen. Sie haben per Mehrheitsbeschluss Gesetze erlassen und somit, mir nichts dir nichts, mitten im tiefsten Mittelalter eine bis heute bestehende (und damit die älteste noch existierende) Demokratie der Welt geschaffen. Das „Alþingi“ bzw. Althing war geboren.

Von diesem geschichtsträchtig so bedeutenden Ort hat man einen wunderbaren Blick nach Norden auf den Skjaldbreiður, den „breiten Schild“. Er ist quasi die Mutter aller Schildvulkane, ein Produkt der immerwährenden vulkanischen Tätigkeit im kontinentalen Grabenbruch. Die geringe Viskosität seiner Lava ist verantwortlich dafür, dass seine Hänge sehr ach sind und der Vulkan eine enorme Grundfläche hat. Wie ein Wikinger-Schild erhebt er sich majestätisch mit seinen sanft ansteigenden Flanken in perfekter Kegelform über Þingvellir und ist fast ganzjährig mit Schnee bedeckt. Das Sahnehäubchen auf einem geologisch und historisch magischen Flecken Erde….

Wenn ihr Interesse an Vulkanen habt, schaut unbedingt mal bei Vulkankultour vorbei! Danke für den Beitrag Florian! [Anm.: bitte, Marc. Jederzeit gerne wieder 😉 ]

Þingvallakirkja – Die Kirche von Þingvellir

Schon vor tausend Jahren stand hier eine Kirche, die den Besuchern des Alþingi für ihre Gottesdienste zur Verfügung stand. Die Kirche welche du heute betreten kannst datiert auf das Jahr 1859 zurück und macht einen schönen, warmen Eindruck. Durch die vielen Holzelemente wirkt das Haus wie eine Hütte. Direkt nebenan befindet sich ein kleiner Friedhof auf dem nur eine Handvoll Menschen ihre letzte Ruhe fanden. Die Kirche ist von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

Sehenswürdigkeiten in Þingvellir

Der Nationalpark ist voll mit Sehenswürdigkeiten. Ich dehne die Grenzen des Þingvellir hier allerdings weit und spreche von allem das man von hier innerhalb von ein bis vier Stunden mit dem Auto erreichen kann. Der Nationalpark an und für sich ist relativ klein und umfasst im Grunde nur den nördlichen Teil des Sees und die umliegenden Sehenswürdigkeiten am Ufer.

Im Einzugsgebiet des Nationalparks befinden sich jedoch verschiedenste Attraktionen.

Wasserfälle in und um Þingvellir

Alle voran findest du in Þingvellir den Wasserfall, der den krönenden Abschluss des Golden Circle darstellt: Gullfoss.

Gullfoss ist wohl der bekannteste Wasserfall Islands und wird jährlich von hunderttausenden Menschen besucht. Im Sommer macht er sich oft mit Regenbögen hübsch und im Winter sieht man oft nicht viel mehr als eine große, massive Eiswand die von den verschneiten Felsen rundherum eingerahmt wird. Imposant ist der große Wasserfall allemal, denn über zwei Stufen stürzt er sich über 30 m in die Tiefe. Hier sollte einmal ein Wasserkraftwerk errichtet werden, was eine mutige Isländerin zu verhindern wusste. Ihre Geschichte wird an den Tafeln auf den Gehwegen erzählt.

Weniger bekannt aber nicht weniger schön oder beeindruckend ist der Brúarfoss. Dieser Wasserfall ist durch seine wunderschöne, blaue Färbung geprägt und je nach Tageszeit, Sonnenstand und Wetter kann man hier unglaubliche Fotos machen. Brúarfoss fällt nur aus knapp 10 m in die Tiefe aber er beeindruckt nicht durch seine Kraft sondern durch seine Schönheit. Auf dem Hin- oder Rückweg vom Gullfoss kann man hier übrigens gut einen Stop einlegen.

Direkt neben den Sehenswürdigkeiten des Alþing findet sich noch ein kleiner Wasserfall namens Öxarárfoss. Dieser ist von Menschenhand gemacht und leitet den Fluss Öxar zu der Allmännerschlucht um. Das wurde vermutlich getan, um die Versammlungen mit Wasser zu versorgen. Eine Geschichte besagt, das hier auch Verbrecher und fremdgehende Ehefrauen enthauptet wurden, was plausibel klingt wenn man zu Grunde legt dass die Übersetzung vom Axt-Wasserfall spricht.

Heiße Quellen in und um Þingvellir

Direkt in der Nähe des Geysir Strokkur, den man in gewisser Weise auch als heiße Quelle betrachten kann, finden sich mit Marteinslaug und Kúalaug zwei weitere natürliche heiße Quellen. Zum baden sind sie nicht geeignet, denn sie sind sehr klein und sehr heiß und für die Touristenmassen sind sie auch nicht ausgelegt.

Wenn du richtig baden gehen willst bietet sich die Gamla Laugin, die Secret Lagoon an. Hier gibt es Umkleidemöglichkeiten und eine große, heiße Quelle in der man auch mit mehreren leuten baden kann. Die Secret Lagoon wird oft auch als gute Alternative zur Blue Lagoon empfohlen.

Direkt daneben befindet (oder befand) sich die Hrunalaug: Zu dieser heißen Quellen kannst du heute leider nicht mehr, denn sie wurde über die Jahren immer mehr von Touristen zerstört. Ich kenne den aktuellen Stand leider nicht, entweder ist sie geschlossen oder eben einfach dermaßen verwüstet, dass man nicht mehr hin kann.

Ebenfalls auf dem Weg zum Gullfoss findet sich dann noch die Laugarvatn Fontana. Diese heiße Quelle ist gut ausgebaut und kann größere Mengen an Besuchern gut vertragen. Hier kann man auch saunieren und Brot das mit Geothermie gebacken wurde probieren. Fontana ist eine gute Mischung aus Blauer Lagune und der Secret Lagoon.

Aktivitäten in Þingvellir

Die wohl bekannteste Aktivität im Park dürfte das Tauchen sein. Der Tauchspot Silfra ist bei Tauchern weltbekannt und auch wer keinen Tauchschein hat kann hier als Schnorchler einen Einblick in die einzigartige Unterwasserwelt der Grabenzone zwischen den Kontinenten bekommen. Touren für Schnorchler werden von verschiedensten Anbieten durchgeführt und sind ein wirklich einmaliges Erlebnis, egal ob Sommer oder Winter. Tauchen in Island ist vielleicht nicht die naheliegendste Aktivität, aber ich möchte es dir trotzdem sehr an’s Herz legen!

Wer es lieber trocken mag, braucht nur einen sonnigen Tag und ein Pferd unter’m Hintern. Verschiedene Farmen in der Nähe bieten Reittouren entland des Golden Circle an. Dabei kann man entweder direkt im Park oder am Rande dessen einen Ausritt unternehmen. Eine besonders bekannte Farm ist die Laxness Horse Farm, die zwischen Reykjavík und dem Park liegt. Von hier aus kann man Ein- oder Mehrtagestouren buchen und diese auch mit Ausfahrten zur Blauen Lagune oder zum Golden Circle verbinden.

Eine ganz besondere Unternehmung ist nur im Winter machbar: Hundeschlitten fahren geht eben nur wenn ein bisschen weiße Pracht auf dem Boden liegt. Glücklicherweise im Winter selten ein Problem, da es im Park eigentlich fast immer schneit und der Schnee auch lange liegen bleibt. Bevor es auf Tour geht „muss“ man übrigens einige Zeit mit den Hunden verbringen und schmusen, damit sie sich an einen gewöhnen. Es gibt Schlimmeres denke ich.

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Silfra: Tauchen und Schnorcheln in Þingvellir

Eine der beliebtesten Aktivitäten im Nationalpark ist das Tauchen. Hier, mitten in der Grabenbruchzone bendet sich einer der beliebtesten Tauchspots des Planeten. Silfra bietet das sauberste Wasser in dem man tauchen kann und man erlebt Sichtweiten von weit über 100m ohne Abhängig von Wetter oder Gezeiten zu sein.

Das Wasser strömt, nachdem es vom Eis des Langjökull Gletscher abgeschmolzen ist mehrere Jahrzehnte durch das feine Lavagestein des Tales und erblickt dann in der Silfra-Spalte zum ersten mal wieder das Tageslicht. Durch die Filterung ist es so rein und klar, dass man es bedenkenlos trinken kann. Achtet mal drauf ob bzw. wie oft euer Guide den Atemregler oder Schnorchel aus dem Mund nimmt 😉

Unter dem öffentlich zugänglichen Teil des Risses bendet sich ein weit verzweigtes und tiefes Höhlensystem. Eine amerikanische Höhlentaucherin hat dieses vor Jahren kartografiert und Tiefen von mehr als 60 m gefunden. Das System ist aufgrund seiner Fragilität heute gesperrt. Zu jedem Zeitpunkt könnten hier Tunnel einbrechen und den Rückweg versperren.

Als Sporttaucher oder Schnorchler bleibt man also in den weniger tiefen Teilen Silfras, bis zu einer Tauchtiefe von 18 m darf man sich jedoch frei umschauen und die unglaubliche Ansicht der blau schimmernden Felsen der tektonischen Platten bewundern. Man befindet sich buchstäblich zwischen den Kontinenten, die nordamerikanische Platte auf der einen und die Eurasische auf der anderen Seite.
Touren für Schnorchler werden von verschiedenen Veranstaltern angeboten, wer einen Tauchschein sein eigen nennt und Erfahrung mit Trockentauchen nachweisen kann sollte sich die Touren für Taucher anschauen.

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» Lesen Sie hier den original Artikel auf der Webpage von Island Ringstraße

© Marc Herbrechter / Island Ringstraße (www.island-ringstrasse.de)

 

 

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