Glühende Krater und Polarlichter

Photonworld, 8. Januar 2018

Der Münchner Geologe, Fotograf und Reiseveranstalter Florian Becker ist den vulkanisch aktiven Landschaften der Erde verfallen. Seit rund 20 Jahren führen ihn seine Reisen zu den aktiven Vulkanen Stromboli, Vulcano, Ätna und nach Island. Das gelbrote Licht der Lavaströme des Stromboli in tiefschwarzer Nacht und die Polarlichter im isländischen Winter faszinieren Florian Becker immer noch genauso wie zu den Zeiten als er als junger Student die Leidenschaft fürs Reisen entwickelte. Auf photonworld.de erzählt er was ihn an diesen speziellen Orten der Erde so fasziniert und wie er ihre besonderen Lichtstimmungen mit der Kamera einfängt.

Florian, was hat Deine Leidenschaft für die vulkanisch aktiven Regionen der Erde geweckt?

Im Rahmen meines Studiums bin ich zum ersten Mal zum italienischen Vulkan Stromboli gefahren. Die wunderschöne Insel, vor allem aber den aktiven Vulkan und seine Ausbrüche zu sehen, die rot glühende Lava, das hat eine Leidenschaft in mir geweckt, die mich bis heute mehrmals im Jahr, privat wie beruflich, zum Stromboli zieht. [mehr zum Thema Stromboli » hier]

Du fotografierst viel auf Deinen Reisen. Deine Homepage www.vulkankultour.de ist voller beeindruckender Bilder von Vulkanen. Wo findest Du die faszinierenden Lichtstimmungen?

Wenn man an einem aktiven Vulkan ist, dann ist insbesondere die Dämmerung sehr reizvoll. Allmählich sieht man bei immer dunkler werdenden Lichtverhältnissen, die Krateröffnungen glühen. Das Glühen sieht man tagsüber nicht, da es dann viel zu hell ist. Besonders schöne Fotos gelingen einem, wenn man sowohl das Glühen in den Kratern, als auch die umliegende Morphologie auf dem Bild hat. Also in der „blauen Stunde“ bis etwa 45 Minuten nach Sonnenuntergang, oder entsprechend vor Sonnenaufgang.

Gibt es eine Lichtstimmung, die Dir in besonderer Erinnerung geblieben ist?

Ich kann mich an einen Sonnenuntergang am Gipfel des Stromboli erinnern, der war von den Farben so intensiv, ich kann das nur mit „flüssigem Gold“ beschreiben. So etwas habe ich vorher noch nie erlebt. Da denke ich heute noch oft dran. [siehe » hier]

Ebenfalls gigantisch war ein Sonnenaufgang unlängst in Südisland, als die Sonne knapp über dem Horizont durch ein Felsentor schien. Das erlebt man dort, wo wir standen, angeblich nur zweimal im Jahr: einmal im Herbst und einmal im Frühjahr. [siehe » hier]

Außer Konkurrenz sind aber meine ersten Polarlichter in Island. Die waren so intensiv und hell und haben über den gesamten Himmel geflimmert. Das werde ich wohl nie vergessen. [mehr zum Thema Polarlichter » hier]

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Was macht das Licht in Island so einzigartig?

Die tief stehende Sonne! Besonders im Winter steigt die Sonne nie hoch über den Horizont. Oft kommt eine hohe Luftfeuchtigkeit dazu, dünne Wolkenschleier, Hochnebel etc. Dadurch erhält man ein sehr weiches, milchiges Licht, das ich am ehesten mit Neonlicht vergleichen würde. Solche Lichtstimmungen kenne ich nur aus Island. In der Fotoszene sagt man ja gerne „zwischen 12 und 3 hat der Fotograf frei“, wegen dem harten Tageslicht. Das gilt für Island, besonders im Winter, überhaupt nicht. [mehr zum Thema Island » hier]

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Fließende Lavaströme zu fotografieren ist nicht einfach. Hast Du ein paar Tipps wie da gute Fotos gelingen?

Dunkelheit und glühende Lava, das ist schon eine besondere Herausforderung für einen Fotografen. Als Anfänger macht man hier meist den Fehler, dass man die Lava überbelichtet, sie wird also viel zu hell, fast weiß. Am besten etwas rumprobieren mit unterschiedlichen Blenden, Verschlusszeiten und ISO-Werten. Eine offene Blende, ISO-Werte von max. 800 und Verschlusszeiten von wenigen Sekunden, das hat sich bei mir letztendlich gut bewährt. Dann hat man auch schön die Fließbewegung der Lava im Bild eingefangen. Das alles hängt natürlich auch mit dem Restlicht zusammen, ideal ist auch hier die „blaue Stunde“ nach Sonnenuntergang. Perfekt ist das Bild, wenn rundherum die Landschaft auch noch zu erkennen und nicht nur alles schwarz ist.

Seit dem Foto-Digitalzeitalter lernt man außerdem schnell dazu, weil man das Ergebnis sofort auf dem Display sieht. Früher, in Zeiten der Analogfotografie, war das noch eine echte Kunst, das Ergebnis hat man oft erst Tage oder Wochen später gesehen. Ein perfektes Bild pro 36er-Film, das war damals für mich schon eine super Ausbeute….

Wer Lust hat, der kann mit Florian Becker zu den unterschiedlichsten Vulkanregionen der Erde reisen. Mehr Infos dazu gibt es auf: www.vulkankultour.de

 

Von Thorsten Naeser

 

Den original Beitrag finden Sie » hier auf photonworld.de

 

 

Florian Becker
Autor
Florian Becker, Geologe

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