Island Foto-Reise (Vorbereitungstour)

Tour-Steckbrief

Datum: 30.09.-05.10.2015
Teilnehmerzahl: 2
Reiseleiter: Florian Becker

 

Tourbericht

(von Uwe Köhler)

Goldener Zirkel – Entlang der Südküste – Bis zur Eislagune – Hochland-Tour zur Laki – Hauptstadt Reykjavik und Reykjanes-Halbinsel

Südküste Island in 5 Tagen vom 30.09.2015 bis 05.10.2015

Im Gegensatz zu meinen beiden Touren auf die Liparischen Inseln, inklusive Neapel, in den Jahren 2010 und 2012, hatte ich mich zu dieser, meiner ersten Island-Tour so gut wie gar nicht vorbereitet – denn ich wusste zum Einen, dass ich mit dem absolut „besten“ Reiseleiter unterwegs sein werde – und zum Anderen, zu meinem zusätzlichen Glück kam diesmal auch noch hinzu, dass der einzige Tour-Teilnehmer – neben mir – eine Profifotografin aus München dabei war, nämlich Radmila Kerl – www.radmilakerl.de.

Los ging´s am Mittwoch, 30.09.2015 um 14 Uhr vom Flughafen München. Mit Iceland-Air im Direktflug zum Internationalen Flughafen Kevlavik, ca. 50 Kilometer südwestlich von Reykjavik, der Hauptstadt Islands. Nach der Landung übernahmen wir sogleich unseren vorab reservierten Geländewagen, einem neuen Toyota Land Cruiser GX, und nahmen Kurs auf unsere erste Übernachtungsherberge, einem Guesthouse in der Ortschaft Selfoss, einer 6.600 Einwohner zählenden Stadt, weitere ca. 50 Kilometer, östlich der Hauptstadt.

Unterwegs kamen wir an einer ganz besonderen Tankstelle vorbei.

Litla Kaffistofan (© Radmila Kerl)

Es gibt nur zwei Zapfsäulen sowie ein kleines Häuschen. Über der Eingangstür hängt ein Schild mit der Aufschrift „Litla Kaffistofan“. An der Theke gibt es, außer der Tankrechnung natürlich, auch Ansichtskarten, Landkarten, Süßigkeiten – und Kaffee sowie Gebäck. Aber es gibt noch etwas: In den drei kleinen Nebenräumen hängen die Wände voll mit Fan-Schals, Autogrammkarten, Wimpel, Aufkleber und sonstigen Fan-Utensilien von allen möglichen Fußballvereinen aus ganz Europa. Und in einem Zimmer hängt die Geschichte über den Fußball in Island in Bildern dargestellt. Total beeindruckend – allein schon hier könnte man gleich 2 Stunden verbringen und schauen.

In Selfoss beginnen sehr viele Touren in den sogenannten „Goldenen Zirkel“. Wir starteten am nächsten Morgen bereits um halb 7, damit wir, noch bevor die großen Touristenbusse aus der Hauptstadt eintreffen, als Erste an den Hauptattraktionen des Landes waren. In einer Tankstelle besorgten wir uns etwas Proviant für den Tag. Es regnete in Strömen und die Stimmung war noch ein bisschen getrübt. Als kleine Einstimmung fuhren wir zunächst zu einer kleinen Kirche. Es ist die Kirche des historischen Gutes Haukadalur, auf Deutsch: „Habichtstal“.

Danach steuerten wir auf einen großen Parkplatz zu.

Gullfoss im Herbst

Tatsächlich waren weit und breit noch keine Fahrzeuge und keine Touristen zu sehen. Vor uns bot sich ein atemberaubendes Schauspiel. Wir waren am großen Wasserfall Gullfoss. Über eine Hochebene kommend fällt hier der Fluss Hvitá über zwei Stufen, die fast rechtwinklig zueinander liegen, in die Tiefe. Zunächst stürzt das Wasser nach rechts über eine 11 Meter hohe Stufe und unmittelbar danach wieder nach links in eine 21 Meter tiefe, enge Schlucht stürzt. Wir liefen natürlich zu allen möglichen Aussichts- und Beobachtungspunkten. Uns gehörte der Wasserfall an diesem Morgen ganz allein und wir konnten, trotz Regen, einmalige Fotos schießen und die Natur genießen. Erst als wir weiter fuhren trafen die ersten Touristen ein.

Im Anschluss daran fuhren wir zu Islands bekanntesten Geothermalfeld – zum Geysir. Wir liefen mitten durch die dampfenden Springquellen zum aktiven Geysir Strokkur, auch Butterfass genannt, und seinem, mittlerweile nicht mehr aktiven Namensgeber, dem großen Geysir.

Uwe vor dem Strokkur

Alle paar Minuten stößt der Strokkur ein Wasserfontaine in die Luft. Man merkt eigentlich gar nicht ob es regnet oder ob das Wasser vom Geysir auf einen niederprasselt. Minutenlang stand ich an der Absperrung und schaute dem Naturschauspiel gebannt und fasziniert zu.

Bereits nach den ersten beiden großen Höhepunkten der Tour waren wir komplett durchnässt. Nach einer kurzen „Trocknungsphase“ im Souvenir- und Bekleidungsgeschäft am Geysir fuhren wir auf einer Nebenstrecke, der F30, weiter. Wir kamen sogleich über eine Schlucht mit einer einbahnigen Brücke und einem kleinen Wasserfall. Weiter ging es durch sattgrüne Wiesen auf denen wir unzählige Wildgänse, Schafe und Islandpferde sahen. So lernten wir gleich mal die farbenfrohe und zugleich einsame, herbstlich gefärbte Tiefebene Südwest-Islands kennen.

Die Nebenstrecken in Island sind im Übrigen sehr oft `nicht´ geteert und schon auf den ersten rund 100 Kilometern unserer Tour lernten wir unseren Geländewagen zu schätzen. Die teilweise mit tiefen Schlaglöchern übersäten Pisten meisterte der Wagen bravourös ohne spürbare Erschütterungen. Als wir die einzige, durchgehend geteerte Straße, die Ringstraße „Þjóðvegur 1?, die Straße Nr. 1 in Island, erreichten, bogen wir Richtung Osten ab, zu den nächsten Höhepunkten unserer Südküstentour.

Nach wenigen Kilometern machten wir einen kurzen Abstecher zur alten Brücke über den Fluss Þjórsá, über die einmal die ehemalige Ringstraße verlief und zu einem weiteren Wasserfall, dem Urriðafoss. Der Urriðafoss ist der wasserreichste Wasserfall Islands. Das Wasser des Flusses Þjórsá stürzt hier mit 360 Kubikmetern pro Sekunde auf etwa 40 m Breite – 6 m in die Tiefe.

Dann führte unser Weg weiter durch die grüne Tiefebene zwischen Selfoss, Hella und dem Vulkanmassiv des Eyjafjallajökull, den wir ab und zu durch die dicken Regenwolken erkennen konnten. Dieser Vulkan war erst vor wenigen Jahren ausgebrochen und hatte in ganz Europa ein riesiges Chaos im Flugverkehr verursacht.

Jetzt machten wir noch einen kurzen Abstecher nach Keldur á Rangárvöllum.

Torfgehöft Keldur

Ein altes Dorf mit einer schönen Kirche und einem Friedhof mit Grabsteinen aus Obsidian. Die Häuser dieser alten Siedlung sind unter Erdhügeln versteckt und mit Gras überwachsen.

Weiter ging es dann auf der „Nr. 1? Richtung Eyjafjallajökull. Am Ende der saftig grünen Ebene und bevor die Ringstraße südlich an der Vulkankette vorbei führt, kamen wir links zum einzigartigen Wasserfall Seljalandsfoss.

Seljalandsfoss

Hier machten wir natürlich einen etwas längeren Halt. Das Wasser stürzt aus einer Fallhöhe von 65 Meter über eine gewaltige Stufe herunter.

Ein Fußweg führt hinter dem Wasserfall herum und man kann durch das herabstürzende Wasser hindurch schauen. Ein einzigartiges Schauspiel im Wasser und Licht, das wir uns nicht entgehen ließen.

Zwischen der Südküste Islands und dem Eyjafjallajökull führt nun die Ringstraße vorbei. Bei guter Sicht öffnet sich der Blick hinaus aufs Meer auf die Westmänner-Inseln. Leider war uns an diesem Tag die Sicht dorthin noch verwehrt. Auf der Rückfahrt einige Tage später hatten wir mehr Glück und konnten auf die südlichste Inselgruppe Islands blicken. Hinter einem riesigen Felsrücken kamen wir dann zu einem weiteren eindrucksvollen Wasserfall. Wir näherten uns dem Skógafoss, einem noch imposanteren und auch breiteren Wasserfall als dem Seljalandsfoss.

Am Skógafoss-Wasserfall stürzt das Wasser in einer 25 Meter breiten Linie, fast wie ein Vorhang, aus einer Höhe von 62 Meter gleichmäßig in die Tiefe.

Skógafoss

An der rechten Seite kann man über viele Stufen den Hang hinauf laufen und dort von einer Plattform aus das Wasser hinabstürzen sehen. Ich bin selbstverständlich die Stufen hinauf gelaufen.

Unsere Fahrt ging weiter auf der „Nr. 1“ über einen breiten Sander, dem Sólheimasandur. Die Straße über solche Sander verläuft streckenweise kilometerweit geradeaus. Manchmal geht es über nur einspurige Brücken. Der Bewuchs in solchen Sandern ist nur sehr spärlich. Meistens stehen einige kleine Sträucher links und rechts der Straße oder auch mit Moos bewachsene Lavafelder. Dann geht es wieder mehrere Kilometer über tiefschwarzen Lavasand.

An einer unscheinbaren Abzweigung bogen wir rechts auf eine Schotterpiste über die pechschwarze Lava ab. Der Blick aufs offene Meer öffnete sich und plötzlich standen wir auf dem Sólheimasandur vor einem alten Flugzeugwrack der US Navy, das 1973 dort notlanden musste und nicht mehr reaktiviert werden konnte.

Flugzeugwrack auf dem Sólheimasandur

Seitdem steht das Flugzeug dort tief im Sand und ist der Witterung ausgesetzt. Das Wrack ist zu einem ganz besonderen Ausflugsziel der Touristen geworden.

Fast auf gleicher Höhe vom Flugzeugwrack führt von der Ringstraße eine neu geteerte Stichstraße nach links zum Sólheimajökull-Gletscher. Nachdem wir mit unserem Geländewagen bis zum Parkplatz gefahren waren, mussten wir noch einige 100 Meter über Geröll und Lava marschieren.

Sólheimajökull

An der Gletscherzunge des Sólheimajökull, bzw. des Mýrdalsjökulls-Gletscher angekommen, schnallten wir uns Steigeisen, die unser Reiseleiter Florian mitgenommen hatte, an die Bergschuhe und begaben uns für einige 50 bis 100 Meter auf das ewige Eis. Es gehört schon etwas Übung dazu, bis man es beherrscht auf den Eisenhaken zu laufen, die ja nur an den Fersen festgebunden waren. Auf jeden Fall war es ein tolles Erlebnis über die Gletscherspalten im ewigen Eis zu laufen.

Etwas weiter im Osten erhebt sich eine gigantische Klippe über dem Meer. Die Auffahrt auf das Plateau ist nur über eine unbefestigte, teilweise sehr unwegsame und steile Piste mit dem Geländewagen möglich. Vom Leuchtturm oben auf der Klippe, bietet sich ein grandioser Ausblick auf die beidseitigen schwarzen Lavasandstrände.

Dýrhólaey

Die Felswände ragen bis zu einer Höhe von 120 m steil empor und bieten zahlreichen Seevögeln, unter anderem den wunderschönen Papageientauchern, hervorragende Nistmöglichkeiten. Allein schon dieser Anblick und die Aussicht von dort oben sind absolut faszinierend. Unmittelbar vorne an der Klippe blickt man auf die größte Attraktion, dem riesigen Felsentor oder auch „Türlochinsel“ genannt. Die Klippe und das Felsentor nennt man Kap Dyrhólaey.

Der Wind oben auf dem Klippenplateau hatte unbeschreibliche Kraft, sodass ich mich locker dagegen stemmen konnte, ohne umzufallen. Unter uns tobte das Meer gegen die Felsen und auf die Kilometer breiten Lavasandstrände, beidseits des Kap Dyrhólaey und es schlugen meterhohe Wellen an den Lavastrand.

Weiter im Westen, von wo wir an diesem Tag her kamen, sahen wir wie es heller wurde und langsam zum Regnen aufhörte. Der Wetterbericht kündigte für die kommenden Tage besseres Wetter an, worauf wir uns sehr freuten.

Abendstimmung an Islands Südspitze

Wir machten dann noch einen kurzen Halt auf den tiefer liegenden Felsen, mit Blick in östlicher Richtung, auf den legendären Reynisfjara-Strand.

Reynisfjara

Danach begaben wir uns zu unserer zweiten Unterkunft während unserer Tour. Diesmal hatte unser Reiseleiter eine Blockhütte bei Vestri Pétursey reserviert, einer Siedlung mit einer Hand voll Bauernhöfen. So weit draußen, mitten in freier und wilder Landschaft gibt es nur noch kleine Siedlungen und noch viel weniger gibt es Gasthäuser oder Supermärkte. Wir mussten deshalb nochmal ca. 20 Kilometer bis in die nächste, mit rund 300 Einwohnern etwas größere Siedlung, nach Vík í Mýrdal fahren um etwas zum Essen zu bekommen.

Auf Island, und vor allem unterwegs auf der Ringstraße, gibt es für die Touristen, aber auch für Einheimische, sehr oft nur eine Tankstelle als Treffpunkt. In solch einer Tankstelle gibt es natürlich auch Souvenirs und im hinteren Bereich findet man meistens auch gleich noch eine kleine Kantine, wo man sich etwas zum Essen kaufen kann. Zwar gibt es in der rund 300 Einwohner zählenden Siedlung Vik auch einen kleinen Supermarkt und eine Kneipe, aber viele Isländer gehen und treffen sich hauptsächlich in solchen Tankstellen.

Am nächsten Morgen brachen wir mit dem Sonnenaufgang auf und fuhren zur „Schwarzen Bucht“ – dem „Black Beach“ und zu den Basaltsäulen der Höhle Reynishellir am Vík í Mýrdal.

Reynishellir und Reynisdrangar

Das Meer war brutal stürmisch und bestimmt 8 Meter hohe Wellen schlugen auf die schwarze Lavabucht. Wir waren wieder einmal allein und der nasse, schwarze Lavasand wies noch keine Spuren anderer Touristen auf. Die Felsen, die bis unmittelbar ans Meer ragen, sind eckige Basaltblöcke. Wir gingen bis zur Basaltsäulenhöhle Reynishellir, die im Morgenlicht der aufgehenden Sonne vielfältige Farben von sich gab. Direkt an dieser Ecke stehen die markanten und imposanten Felsformationen in der Brandung, die man auch von Vik aus sehen kann.

Wir mussten aber wieder die 20 km Umweg auf der Ringstraße über das Gebirge nehmen und ein weiteres Mal nach bzw. durch Vik fahren, um dann weiter Richtung Osten zu gelangen. Unser Ziel war an diesem Tag die Gletscherlagune von Jökulsarlon. Bis dahin stand aber noch einiges auf dem Plan. Und es kam etwas ganz Neues auf den Tourplan, womit wir alle nicht gerechnet hatten.

In den vergangenen Tagen gab es einen Vulkanausbruch unter einem großen Gletscher. Der Vulkanausbrauch trat aber nicht als Lavaausbruch ans Tageslicht sondern er brachte lediglich das Eis unter dem Gletscher zum Schmelzen. Aber was heißt hier „lediglich“! So ein Vulkanausbruch unter einem Gletscher kann so gewaltig sein, dass riesige Wassermengen in Bewegung geraten und sich eine Flutwelle durch die Sander wälzt. Das abfließende Gletscherwasser nennt man in der Fachsprache „Gletscherlauf“ und läuft in diesem Fall natürlich Richtung Meer, also in unsere Richtung. Auf speziellen Internetseiten für Vulkanologen und Geologen – und natürlich auch für Einheimische – kann man rauskriegen, welche Straßen, Brücken, Flussläufe und Sander bei einem solchen Gletscherlauf betroffen sind.

Auf einer solchen speziellen Infoseite im Internet konnte man folgende Meldung lesen: „Auf Island findet seit 2 Tagen ein Gletscherlauf aus dem Vatnajökull statt. Das Schmelzwasser des subglazialen Thermalgebietes Skaftárkatlar schießt dabei in den gleichnamigen Fluss. Auf dem Eis bildet sich derzeit eine Depression die bereits eine Tiefe von 15 m erreicht hat. Das Schmelzwasser sammelt sich in einem See der unter dem Eis liegt. Ist ein gewisser Schwellenwert überschritten, läuft der See aus und erzeugt einen Gletscherlauf. Das Thermalgebiet liegt nordwestlich des subglazialen Vulkans Grimsvötn.“

Für den heutigen Tag war aber noch für alle Straßen freie Fahrt gemeldet – sowohl für die Ringstraße als auch für alle Brücken über die Sander, sowie die Flussquerungen ins nahe Hochland. Aber dass etwas anders ist als sonst, merkten wir bei der ersten größeren Brücke am rund 60 km breiten Mýrdalsandur zwischen den Ortschaften Vik und Kirkjubæjarklaustur. Wir sahen, dass dort merklich mehr Wasser fließt als die Tage zuvor unterwegs war, denn der Wasserstand war außergewöhnlich hoch. Auch die Farbe des Wassers war nicht mehr so wie an den Wasserfällen des vergangenen Tages, sondern eine dickflüssige dunkelgraue Brühe wälzte sich durch das Flussbett. Wir waren also gespannt wie in Kirkjubæjarklaustur die Situation war. Dort war angeblich auch die kritischste Stelle.

Unterwegs kamen wir aber noch an einem verlassenen Haus vorbei, welches wieder einmal ein wunderbares Motiv für unsere Fotografin war.

Altes Schutzhäuschen auf dem MýrdalssandurDer 60 Kilometer breite Mýrdalsandur ist natürlich nicht auf der gesamten Breite flach und nicht auf der gesamten Breite fließt das Gletscherwasser über die Ebene. Mal ist das abgelagerte Lavagestein etwas höher, dann kommen wieder undurchdringliche, moosbewachsene Lavafelder und manchmal ist ein riesiger Felsen zu sehen. Weiter im Osten, kurz bevor der Sander zu Ende ist, wird die Landschaft wieder gebirgiger und hinten am Fuß der Berge sahen wir plötzlich wieder den Gletscherlauf durchs die Schluchten jagen. Die Luft roch immer stärker nach Schwefel – das typische Anzeichen eines Vulkanausbruches. Plötzlich sahen wir auf der linken Seite eine Seitenstraße, die F208, die zu einer Siedlung und weiter ins Hochland führt.

Gletscherlauf der Skaftá (2. Oktober 2015)

Kurz vor dieser Siedlung geht eine Brücke über den sonst ruhigen Gletscherbach. Auf beiden Seiten der Brücke standen Sicherungsfahrzeuge und Polizei dort und hatten die Überfahrt abgesperrt. Wir bogen ab und blieben unmittelbar bei den Sicherungsfahrzeugen stehen. Was wir dort sahen war eine furchtbares und gleichzeitig einzigartiges Naturschauspiel. Der Gletscherlauf zwängte sich durch die schmale Brücke. Davor und dahinter war schon jede Menge der meterhohen Böschung durch die unbändige Gewalt des Wassers mitgerissen worden. Das Wasser bzw. die Luft roch sehr stark nach Schwefel vom Vulkanausbrauch. Zum Glück mussten wir nicht über diese Brücke drüber.

Wir fuhren weiter in die nur ca. 130 Einwohner zählenden Siedlung Kirkjubæjarklaustur, kauften uns kurz etwas zum Essen in einem isländischen „Tante-Emma-Laden“ und fuhren dann noch einmal einige Kilometer zurück. Denn hier zweigt die bekannte Hochlandstraße F206 hinauf ins zerklüftete Hochland. Zunächst mussten wir wieder den Gletscherlauf über zwei schmale Holzbrücken überqueren und es wurde uns ganz schön mulmig, als wir in die reißenden Fluten schauten. Dann wurde die Fahrt zum noch nie vorher erlebten Off-Road-Vergnügen.

Wir begaben uns also auf die F206, die ungeteert über 60 Kilometer lang, einspurig landeinwärts führt, und Feldwegcharakter hat oder sagen wir „Acker“ zu dieser Schotterpiste. Es ging über Schafgatter und durch riesige Pfützen. Manche waren 10 Meter lang oder länger und bis zu 5 Meter breit. Es ging durch Schluchten und über Buckel, die vorher sogar durch extra Schilder angekündigt wurden, weil man die gegenüber liegende Seite nicht einsehen kann. Und wieder ging es hinunter in die nächste Schlucht. Dann war die Straße plötzlich zu Ende und man musste ein 20 Meter breites Bachbett durchfahren. Mehrere mögliche Furten konnte man wählen.

Hinter einem größeren Felsvorsprung bogen wir einige Meter rechts ab und plötzlich waren wir an einem schönen Wasserfall, dem Fagrifoss. Tatsächlich heißt dieser Wasserfall so. Der Fagrifoss, auch „Schöner Wasserfall“ genannt, ist ein Wasserfall des Flusses Geirlandsá in Island. Auf dem Parkplatz – tatsächlich gibt es so etwas dort auch – steht sogar ein dreieckiges Klo, in Island „Toblerone“ genannt.

Fagrifoss

Da wir an diesem Tag schon sehr viel Zeit durch diverse Fotohalte und unvorhergesehene Attraktionen verloren hatten und noch einen ganz besonders wichtigen Termin vor uns hatten, beschloss unser Reiseleiter Florian, dass wir umkehren. Der Hochlandstraße F206 sollten wir am nächsten Tag noch einmal begegnen. Somit hatten wir wieder etwas mehr Zeit für andere, neue und interessante Sehenswürdigkeiten und kurze Zeit später war es auch schon soweit. Kurz bevor wir wieder die Ringstraße erreichten, sagte unser Reiseleiter `rechts ran fahren und parken´. Wir stiegen aus und liefen über eine Wiese ca. 300 m zu einer Schlucht, die erst beim näher kommen richtig spektakulär wurde. Wir waren am Fjaðrárgljúfur-Canyon. Diese Schlucht hat so etwas wie der Grand Canyon.

Fjaðrárgljúfur

Fjaðrárgljúfur

Von überall kommen Wasserfälle die Hänger herunter und sammeln sich in einer kreuz und quer verlaufenden Schlucht. Einige Felstürme stehen etwas hinein und man konnte auf solch einem Felsvorsprung die ganze Schlucht bis zur Mündung in den Sander einsehen.

Zurück am Wagen fuhren wir dann bis vor zu dieser Mündung und standen am Grund dieser kurz zuvor von oben gesehenen Schlucht des Fjaðrárgljúfur-Canyon. Was für enorme Kräfte hier geherrscht haben müssen um so eine grandiose Landschaft entstehen zu lassen!

Jetzt ging es aber weiter. Zurück auf die Nr. 1 und schnell hatten wir Kirkjubæjarklaustur hinter uns gelassen. Lange Zeit roch es noch nach der schwefeligen Luft des Gletscherlaufes. Der neuerliche Sander war aber vom Gletscherlauf nicht mehr betroffen und so überquerten wir wieder Gletscherbäche mit weniger Wasser. Auch hier waren die Brücken teilweise nur einspurig. Manche dieser Brücken sind über 1 km lang und es gibt alle paar Meter eine Ausweichbucht.

Über den Skeiðararsandur

Wir fuhren direkt auf den größten Gletscher Europas zu, den Vatnajökull. Die Wolken rissen immer mehr auf und so sahen wir das mächtige Eis in voller Pracht. Vor uns sahen wir auch die höchste Erhebung in Island, den 2110 Meter hohen Hvannadalshnúkur, der zum Gebirgsmassiv des Öræfajökull im Vatnajökull-Massiv gehört.

Am Ende des Sanders zweigte eine Straße nach links ab zu einem Ausläufer des Vatnajökull-Gletschers. Ein paar Meter hinter dem Parkplatz blickten wir unter uns auf einen kleinen Gletschersee und hinter einem etwas größeren Felsvorsprung sahen wir dann einen Ausläufer des riesigen Gletschers im Sonnenlicht liegen. Wir waren schon wieder mal allein unterwegs und so konnte Radmila, unsere Fotografin, einzigartige Fotos schießen. Es war beeindruckend. Links und rechts waren die Felsen des kilometerlangen Tales vom zurückgewichenen Eis glatt geschliffen.

Svínafellsjökull

Und im rund 2 Kilometer breiten Tal türmte sich das Gletschereis meterhoch, bevor der Gletscher am Fuß der Gletscherzunge langsam und knirschend abbricht und einen kleinen See mit Eisschollen bildet. Das Eis zieht sich durch die Erderwärmung immer weiter zurück. Mittlerweile strahlte die Sonne vom Himmel und plötzlich krachte wieder das Eis irgendwo im Gletscher.

Wieder zurück auf der Ringstraße kamen wir an unserer dritten Übernachtungsstätte, dem Hof-1 Hotel, vorbei. Dorthin fuhren wir aber erst später, denn jetzt ging es erst mal zu unserem Termin. Wir waren um 16 Uhr an der Gletscherlagune Jökulsárlón zu einer Fahrt mit dem Amphibienfahrzeug auf der Gletscherlagune verabredet. Bevor es dazu aber soweit war, machten wir noch an einer etwas kleineren Gletscherlagune halt, der Fjallsárlón Gletscherlagune. Da Radmila und ich vorher so etwas noch nie gesehen hatten, dachten wir schon, dass dieser See mit den Eisschollen richtig groß sei. Was uns aber kurze Zeit später an der eigentlichen Gletscherlagune Jökulsárlón erwartete, übertraf alles was wir uns jemals zuvor erträumt hatten.

Gletscherlagune JökulsárlónZunächst ging es über eine mächtige Brücke.

Diese Brücke ist deshalb so mächtig, weil die Eisberge, die in der Gletscherlagune treiben, dort hindurch müssen, in Richtung Meer. Und dann kamen wir zur Gletscherlagune. Die Gletscherlagune hat einen Umfang von über 20 Kilometer und eine Durchmesser von ca. 7 Kilometer. Außerdem ist der See mit rund 250 Meter der tiefste See Islands. Am Ende dieses gewaltigen Sees ist wie erwähnt diese Brücke, unter der die abgeschmolzenen Eisberge hindurch und dann in einen ca. 500 Meter langen und etwa 200 Meter breiten Kanal ins offene Meer abfließen.

Gletscherlagune Jökulsárlón

Amphibienboot für die Gletscherlagune Jökulsárlón

Dort angekommen werden sie durch die Brandung wieder zurück an den schwarzen Lavastrand gespült und geben einen faszinierenden Anblick. An manchen Tagen tummeln sich im Mündungsbereich der Eisschollen unzählige Robben, weil das Eis und die Strömung viele Nährstoffe mit sich bringen. Leider war an diesem Tag nur eine Hand voll Robben zu sehen.

Bis zum Beginn der Fahrt auf der Gletscherlagune war immer noch etwas Zeit und so liefen wir hin und her und fotografierten was das Zeug hielt. Dann kam das Land- und Wasserfahrzeug und wir mussten Schwimmwesten anlegen. Dann bestiegen wir mit ca. 20 Japanern die Plattform.

Los ging´s – zuerst noch ein paar Meter über Felsen und Geröll und dann hinein ins Gletscherwasser – mitten durch die riesigen Eisberge. Ein Ranger erklärte uns alles Wissenswerte zum Gletscher und zu den Eisbergen und natürlich zum Eis. Und dann brachte uns ein weiterer Ranger mit einem Schlauchboot einen glasklaren Eisbrocken direkt aus der Gletscherlagune, den er vor unseren Augen raus gefischt hatte – wir durften alle rund 1000 Jahre altes Eis in der Hand halten.

Gletscherlagune Jökulsárlón

Was für ein Erlebnis. Nach der Bootsfahrt liefen wir natürlich auch noch einmal bis runter zum Meer um die Eisbrocken am Strand zu erleben und zu fotografieren.

Am Strand bei der Gletscherlagune Jökulsárlón

So langsam aber wurde es dunkel und wir machten uns auf den Weg zurück zu unserer nächsten Übernachtungsunterkunft im Hof-1 Hotel.

In dieser Nacht konnte ich ein weiteres Schauspiel erleben. Zwar nicht so ausgiebig und gewaltig wie ein paar Tage später, als wir bereits wieder daheim waren, aber immerhin habe ich für wenige Minuten ein Polarlicht gesehen.

Am nächsten Morgen fuhren wir wieder ganz früh los. Wir hatten diesmal nur ein Ziel – es war ein Abstecher ins Hochland zur Laki-Kraterreihe mit unserem Land Cruiser. Es sollte das größte Erlebnis auf dieser Tour für uns alle werden. Zunächst ging es einige Kilometer auf der Ringstraße durch den Skejdararsander zurück in Richtung Kirkjubæjarklaustur. Dann kamen wir zu einer unscheinbaren Abzweigung und unser Reiseleiter meinte, wir könnten noch eine andere Route hinauf zum Laki nehmen – nicht wie zunächst geplant die F206. Ein Weg, der in der Landkarte nur als gestrichelte Linie eingezeichnet ist und erst kurz vor den über 130 Kratern und Kegeln der Laki-Kraterreihe in die F206 mündet. Eigentlich sollte man diesen Pfad nicht alleine wagen, denn diese namenlosen, gestrichelten Strecken werden in Island nicht regelmäßig gewartet. Alle anderen Straßen mit Bezeichnungen werden dagegen in Island durchweg gewartet und auch hergerichtet, so ist es auch mit der F206 bzw. F207. Dieser Weg, dieser gestrichelte Pfad war jedoch seinem Schicksal überlassen und wir wussten nicht was uns erwartet. Allerdings kannte unser Reiseleiter diese Nebenstrecke von einer speziellen Geländewagen-Erkundungsfahrt 3 Jahre zuvor und er meinte, dass wir es ganz sicher meistern werden. Wir waren also trotz allem gut vorbereitet für dieses Abenteuer.

Auf einsamer Nebenstrecke zur Laki

Wir bogen also ab und ließen uns überraschen. Von nun an ging es über 60 Kilometer stetig bergauf durch ein schier endloses Lavafeld, durch tiefe Wasserpfützen, durch Bachläufe, über Felsen, durch Lavasand, der teilweise aufgeweicht war und in dem man schon hin und wieder etwas tiefer einsank. Aber all das machte unserem Geländewagen nichts aus und wir meisterten alle Hindernisse spielend.

Schier endlos kam uns das Lavafeld vor, das der Laki in seiner Ausbruchsphase zwischen 1783 bis 1784 durch das breite Tal Richtung Meer auswarf. Und das war ja nur ein kleiner Ausläufer dessen was wir noch sehen sollten. Wir kamen eigentlich ganz gut voran. Die Landschaft wurde immer spannender. Ab und zu kamen wir, so wie auf der Karte eingezeichnet, an markanten Wegpunkten, wie einer alte Hütte oder an einem Wegweiser vorbei. Dann stand mitten in diesem Lavafeld sogar ein richtiges Schild das zu einem Aussichtspunkt zeigte. Wir folgten diesem Pfad ca. 1 Kilometer bis zu einem See. Die Gegend schaute unwirklich und bizarr aus.

Auf einsamer Nebenstrecke zur Laki

Überall lagen eiszeitliche Felsen herum, die im Laufe der Zeit durch das zurückgehende Eis dort liegen geblieben waren. Rings um uns ragten bereits die ersten Vulkankegel des Laki empor.

Wieder zurück an diesem Wegweiser ging die Fahrt weiter durch einsamste Wildnis. Über Nacht hatte es hier oben leicht geschneit und wir waren natürlich wieder die Ersten, die an diesem Tag diese Route fuhren. Hier eine Panne zu haben kann bei schlechten Wetterverhältnissen sehr gefährlich sein. Dann kamen wieder einige Bachdurchfahrten und immer wieder mussten wir um größere Lavabrocken herum fahren. Plötzlich, oder sagen wir endlich, nach ungefähr 2 Stunden, waren wir auf der F206 angekommen. Mitten in diesem riesigen Lavafeld treffen sich zwei Wege zu einer Kreuzung, es liegen Felsen als Fahrbahnteiler auf der Straße und sogar ein Wegweiser steht dort mitten im Lavafeld. Die Hochlandroute hinauf zum Laki teilt sich dort oben auch noch einmal und kurz vor dem höchsten Punkt gibt es auch noch einen Rundkurs, der als F207 ausgezeichnet ist. Aber dann waren wir endlich am Parkplatz. Sogar eine Klo- (Toblerone) und eine Infohütte sind dort aufgestellt. Wir parkten unseren Wagen und wanderten die letzten 300 Höhenmeter hinauf zum höchsten Punkt des Laki-Hauptkraters.

Laki Linearkraterreihe
Laki Linearkraterreihe
Laki Linearkraterreihe

Der Himmel war fast wolkenlos und die Sonne schien, nur vereinzelnde Wolken waren am Horizont zu sehen. Die Sicht war gigantisch, hervorragend, phänomenal. Richtung Osten war die Fernsicht auf den riesigen Vatnajökull-Gletscher und auf diesem Weg dorthin blickte man über die östliche Kraterkette der Laki-Kraterreihe. In Richtung Westen war dann die westliche Kraterreihe zu sehen. Der Laki hatte bei seinem Ausbruch vor rund 230 Jahren eine riesige Erdspalte auf eine Länge von über 25 Kilometern aufgerissen. Es entstanden im Laufe der Ausbruchsphase alle paar Meter neue Krater. Beim Ausbruch von 1783 bis 1784 wurde aus den insgesamt über 130 Kratern ein Gesamtvolumen von ungefähr 14,7 Kubikkilometer basaltischer Lava ausgestoßen, die eine Fläche von 600 Quadratkilometern bedeckte. Der Ausbruch hatte in Europa einen Klimawechsel eingeleitet. Außerdem beeinflusste der Ausbrauch sogar den Verlauf französischen Revolution.

Der Spalt in der Erde war also über 25 Kilometer lang und als nach über eineinhalb Jahren die Aktivität zurückging, konzentrierte sich der Magmaauswurf auf diesen letzten Krater auf dem wir standen, fast genau in der Mitte der Ausbruchskette. Somit war dieser Kegel zum Schluss auch der höchste Krater und dient seither als wunderbarer Aussichtspunkt, von wo man in alle beiden Richtungen hervorragend die Laki-Ausbruchskette einsehen kann. Man steht dort oben und ist sprachlos.

Nach einem ausgiebigen Fotoshooting begaben wir uns auf die Talfahrt. Wir fuhren auf der F207 zwischen Vulkankratern und Kegeln hindurch, quer über tiefschwarze Lavafelder die durch grünen Moosbewuchs eingegrenzt waren. Der leichte Schneefall in der vergangenen Nacht hatte einige Flächen leicht weiß eingezuckert und insgesamt vervollständigten noch einige kleinere gelbblättrige Sträucher das faszinierende Gesamtbild.

Auf der F207 um die Lakikrater

Dann kam unsere größte Prüfung an diesem Tag. Ein etwa 50 Meter breites Flussbett mit verschieden tiefen Ausläufern musste durchfahren werden.

Furt auf der F207 (Laki)

Unser Reiseleiter watete zunächst nur mit Badehose bekleidet durch diesen Fluss um die bestmögliche Furt heraus zu finden. Unsere Fotografin Radmila und ich als Fahrer folgten dann vorsichtig mit dem Wagen. Aber alles ging gut und wir konnten unsere Fahrt bis zur Ringstraße 1 in ca. 50 Kilometer Entfernung fortsetzen. Was für ein tolles Abenteuer!

Gletscherlauf der Skaftá (3. Oktober 2015)Wir kamen somit kurz hinter der Siedlung Kirkjubæjarklaustur wieder auf die Ringstraße zurück und setzen unsere Fahrt in Richtung Reykjavik fort. Kurz Zeit später kamen wir auch noch einmal an der Brücke vorbei, die schon auf dem Hinweg wegen dem Gletscherlauf gesperrt worden war. Als wir uns der Brücke näherten, standen noch mehr Polizei und Sicherungsdienste vor Ort und diesmal sogar das Isländische Fernsehen. Mittlerweile hatte der Gletscherlauf weitere Meter der vor 2 Tagen noch vorhandenen Böschung weggerissen und beide Fundamente der Brücke waren fast vollkommen unterspült. Es war also nur noch eine Frage der Zeit bis die Brücke weggespült werden würde. Im Internet war noch 3 Wochen diese Brückensperrung eingezeichnet. Ob die Brücke dem Gletscherlauf zum Opfer gefallen ist, konnte ich bisher leider nicht rauskriegen.

Auf der Weiterfahrt bemerkten wir jetzt auch, dass der Mýrdalssandur zwischen Kirkjubæjarklaustur und Vik durch das geschmolzene Wasser des Gletscherlaufes mehr und mehr vollgelaufen war. Überall sickerte die nach Schwefel stinkende dunkelgraue, zähfließende Brühe durch und drohte sogar die Ringstraße zu überfluten. Der Gletscherlauf sollte sich für uns jedoch noch einmal als glückliche Fügung darstellen. Es hätte auch schlimmer kommen können. Wenn der Gletscherlauf auch die Ringstraße überflutet hätte oder womöglich eine der vielen Brücken, über die wir fahren mussten, mitgerissen hätte, wären wir wahrscheinlich nicht auf diesem Weg zurück nach Reykjavik gekommen. Zwischenzeitlich hatten wir schon mal durchgeplant, eventuell die gesamte Insel zu umrunden zu oder einen Inlandsflug zu chartern, um unseren Rückflug noch zu erreichen.

So ging es aber dann doch noch glücklich auf geplanter Route weiter, zurück nach Reykjavik, das wir erst spät abends erreichten. Mittlerweile hatte der Regen wieder eingesetzt. Auf Höhe der Wasserfälle Skógafoss und Seljalandsfoss hatten wir aber noch Glück mit der Sicht und konnten zu den Westmänner-Inseln rüber blicken. Im weiteren Verlauf der Rückfahrt in die Hauptstadt machten wir auch noch einen Abstecher zu einem Leuchtturm im Mündungsgebiet des verzweigten Gletscherlaufes.

Leuchtturm an der Mündung der Skaftá

Als wir endlich in unserem Guesthouse in Reykjavik ankamen, war es schon ziemlich spät. Wir machten uns kurz frisch und fuhren auf eine Anhöhe wo die „Perle“, der Heißwasserspeicher von Reykjavík, genannt „Perlan“ steht. Dort kann man in der Kuppel mit herrlichem Rundblick auf Reykjavik auch noch zu später Stunde etwas zum Essen bekommen. Danach ging es müde vom erlebnisreichen Tag zurück ins Guesthouse, wo ein heißer Hot Pot auf uns wartete, in dem ich es mir gemütlich machte.

Am letzten Tag unserer Tour entlang der Südküste Islands machte uns der Regen noch einmal einen Strich durch die Rechnung und so konnten wir nur per Auto eine kurze Stadtbesichtigung machen. Nicht aber ohne die berühmten Bauwerke wie z. B. die Hallgrimskirche – die Hallgrímskirkja – das Wikingerschiff „Sólfari“ – eine Skulptur eines Wikingerschiffes von Ingólfur Arnason, Islands erstem Besiedler anno 870.

solfari

– die Oper „Harpa“, dem Rathaus im Wasser, Höfði – das Landhaus von Reykjavík in dem sich Gorbatschow und Reagan 1985 trafen und einigen weiteren Höhepunkten anzusehen.

Danach ging es raus aus der Stadt und zu unseren letzten Erkundungshöhepunkten. Zuerst fuhren wir an einigen gigantischen Holzstangenfeldern vorbei, wo die Fischer ihre Fänge zum Trocknen über den Winter aufhängen. Dann bogen wir noch einmal auf eine unbefestigte Straße ab, auf der wir noch einige interessante Fotoaufnahmen bei Wasserdurchfahrten mit unserem Land-Cruiser schossen.

Schlechtes Wetter bedeutet Offroadspaß :-) (© Radmila Kerl)

Schlechtes Wetter bedeutet Offroadspaß 🙂 (© Radmila Kerl)

Nach der Besichtigung der dampfenden und blubbernden Schwefelquellen des Geothermalfeldes Seltún fuhren wir zur größten Touristen-Attraktion in Island – der berühmten „Blauen Lagune“ – Blue Lagoon – Bláa Lónið.

Blaue Lagune - Bláa Lonið

Den Eintritt von über 40 Euro sparten wir uns allerdings. Außerdem wimmelte es an diesem Tag, es war Sonntag, von japanischen, aber auch unzähligen anderen Touristen aus der ganzen Welt. Isländer trifft man in der Blauen Lagune so gut wie gar nicht mehr an. Das Bad war übervoll und draußen an den Kassen standen die Besucher in bis zu 50 Meter langen Reihen.

Die gesamte Halbinsel südlich von Reykjavik, der Reykjanes-Halbinsel, ist durchzogen von Spalten und gespickt mit Solfataren. Ein Abstecher zum Heißquellengebiet Gunnuhver durfte deshalb natürlich nicht fehlen. Die Heiße Quelle Gunnuhver hat seit dem „Ausbruch“ vor einigen Monaten eine extreme Dampfentwicklung und musste neu abgesichert werden, weil die alte Absperrung durch den Ausbruch weggerissen wurde. Überall sind übel stinkende Schwefelquellen, sogenannte Solfataren anzutreffen.

Bei einer Hummersuppe in einer urigen Fischerkneipe, in der 2.850 Einwohner zählenden Ortschaft Grindavik, resümierten wir die zurückgelegten 5 Tage, bevor wir noch zur Miðlína Bridge fuhren. Dort wurde eine Brücke über einen Grabenbruch angelegt auf dem sich die Eurasische Erdplatte und die Amerikanische Erdplatte auseinanderbewegen.

Unsere Hütte in SandgerðiZum Schluss ging es auf schnellsten Weg nach Sandgerði, mit 1600 Einwohnern, zu unserer letzten Herberge, wo für unsere letzte Übernachtung wieder eine gemütliche Blockhütte reserviert war. Zur gleichen Zeit als wir zur Blockhütte kamen, lief in München das Bundesliga-Spitzenspiel zwischen dem FC Bayern und Bor. Dortmund. Mittels iPad und WLAN-Empfang sowie einer Gastlizenz über Sky-Go konnten wir im Auto der Live-Übertragung beiwohnen. Danach ging es zurück zu unserer Blockhütte und direkt in unseren eigenen Hot Pot.

Wir beschlossen im heißen Wasser die gelungene Tour und bei einem isländischen Bier begossen wir den 5:1 Bayern-Sieg.

Nach einer kurzen Nacht ging es sehr früh zum nur 7 km entfernten Flughafen Kevlavik und dann wieder zurück nach München, wo uns angenehme 17 Grad und Sonnenschein erwarteten.

Hütte mit Hot Pot in Sandgerði

Fazit:

Nach zwei grandiosen „Liparische-Inseln-Touren“ 2010 und 2012 dachte ich eigentlich, dass es keine Steigerung mehr geben kann.
Aber es ist möglich!!! 5 prallvolle Tage entlang der Südküste Islands, gespickt mit unzähligen touristischen Höhepunkten an allen fünf Tagen – obwohl bei teilweise indiskutablen Wetterverhältnissen – einfach saustark!!! Ich bin mehrere Wochen nach dieser Tour immer noch auf der Suche nach Worten! Die bis ins kleinste Detail hervorragend organisierte Tour (Hin- und Rückflug, Mietauto, 5 Übernachtungen, Tourplan und Strecke usw. usw.) verdienen allerhöchste Auszeichnung für den Organisator.

Ein riesiger Pluspunkt auf dieser unvergesslichen Tour war das absolut perfekte Team, zu dem, neben dem Reiseleiter Florian Becker von „Vulkankultour“ und mir, Uwe Köhler, noch unsere „Profi-Fotografin“ Radmila Kerl (http://radmilakerl.de/) gehörte.

Florian Becker
Autor
Florian Becker, Geologe

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