Knisternde Lava und flimmernde Luft

Seite 5, Berchtesgadener Anzeiger Nr. 56 – Mittwoch, 22. März 2006

Diavortrag von zwei Geologen begeisterte 120 BERGinale-Besucher

»Wir haben irgendwann aufgehört zu zählen«, verrät Florian Becker. Wie Ulrich Küppers reiste er schon etwa 20 mal zu »seinen« Feuerbergen in Süditalien. Zwei Drittel dieser Vulkantouren unternahmen die beiden Geologen aus München und Waakirchen (Kreis Miesbach) gemeinsam. Die Zeit dazwischen überbrücken sie mit einem Diavortrag, der nun im Kurhaus rund 120 BERGinale-Besucher in Bann zog.

Dass die beide nicht nur berufliches Interesse, sondern eine Leidenschaft treibt, zeigt sich an Beckers Spitznamen »Fuoco« und an Küppers T-Shirt mit einem stilisierten Vulkan. Der Waakirchner ist inzwischen Doktor der Naturwissenschaft mit Schwerpunkt Vulkanologie, und der Münchner bietet Vulkan-Reisen an.

Der freie, spritzige und auch für Nicht-Experten gut verständliche Vortrag war mit Wissen und Humor gespickt. Die Geologen sprachen abwechselnd und bereicherten die Diashow mit Literaturzitaten. Am 100 Meter tiefen Vesuvkrater mit 400 Metern Durchmesser begann die Reise. Mit den Worten des römischen Geschichtsschreibers Plinius des Älteren gaben sie einen Eindruck vom dramatischen Vesuv-Ausbruch 79 nach Christus, der die Städte Pompeji und Herkulaneum verschüttete: »… Der Himmel war dunkel und von wirbelnden Geschossen erfüllt, und binnen Sekunden wechselte der Tag von Nachmittagssonne ins Zwielicht. (…) Der Bimssteinstaub verstopfte Mund und Nase…«

Auch was es abseits der Vulkane zu entdecken gibt, erfuhr das Publikum. Etwa auf Stromboli, der nordöstlichsten der Äolischen Inseln im Tyrrhenischen Meer mit einem »Bilderbuch-Vulkan«: Das verschlafene kleinere der beiden Insel-Dörfer, Ginostra, überrascht mit einem wunderbaren Blick auf die Nachbarinseln. Dort gibt es erst seit 2002 ganztägig Strom – dank Fotovoltaik. Wasser liefern nur die Zisternen, die einzigen Transportmittel sind Maultiere, und der Euro kam hier sechs Wochen verspätet an.

Auf der Insel Vulcano gelang den Referenten ein Foto von Schwefelablagerungen, das an ein geöffnetes Maul erinnert. Schluss- und Höhepunkt der in Überblendtechnik gezeigten Schau waren Bilder des über 3300 Meter hohen Ätna auf Sizilien. Becker und Küppers vermittelten, wie die Menschen mit ihrem Vulkan leben – das Ätna-Skigebiet wurde vor einigen Jahren zerstört, der Neubau verschütteter Straßen ist ganz normal, und der Flughafen muss wegen Ascheregens schon mal drei Wochen geschlossen werden. Sie zeigten auch die Grenzen des Vortrags: »Was fehlt, sind die Erschütterungen vom Boden, die Gerüche.« Mit eigenen Worten beschrieben sie anschaulich das Wesen der zähflüssigen glühenden Lavaströme. Ein Ehepaar war extra 100 Kilometer aus Rott am Inn angereist, und eine ältere Dame bedankte sich begeistert: »Sie haben uns eine große Freude gemacht.«

Wer mehr wissen will, kann sich im Internet unter www.faszination-vulkan.de oder www.vulkankultour.de informieren.

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