Vulkanausbrüche in der Kiesgrube

Lokales, Merkur Online – Freitag, 9. Oktober 2009

Schaftlach – Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität führen Simulationsversuche durch, um damit dem Innenleben der Feuer speienden Berge ein Stück näher auf den Grund zu gehen.

Ein bisschen Rauch, ein leiser Knall und kleine schwarze Partikel, die in der Luft tanzen. Und das soll schon alles gewesen sein? Keine Aschefontänen und Lavabrocken, die kilometerweit heraus geschleudert werden, wie man es aus dem Fernsehen kennt? „Wir simulieren hier nur Vulkanausbrüche“, sagt Bettina Scheu und lacht.

Die Wissenschaftlerin der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München hat gemeinsam mit anderen Forschern in der Schaftlacher Kiesgrube ein Modell aus Vulkankammer und -schlot aufgebaut, um damit dem Innenleben der Feuer speienden Berge noch ein Stück näher auf den Grund zu gehen. „Bisher wissen wir nur sehr wenig darüber, was im Innern eines Vulkans passiert. Das ist so, als ob man sich Nachbar’s Haus anschaut. Da sieht man auch nur, was aus dem Schornstein rauskommt“, erklärt Scheus‘ Kollege Ulrich Küppers.

Meistens messen Scheu und Küppers im Labor. Dort werden experimentell erzeugte Eruptionswolken in Tanks aufgefangen und anschließend charakterisiert. „In Deutschland haben wir keine Vulkane, die Kiesgrube ist der Kompromiss zwischen Labor und Natur“, meint Küppers. „Echt“ ist aber das erstarrte Magma in der Probe, das stammt von einem Vulkan aus Mexiko. Noch Monate wird die Auswertung der Daten, bei denen die Ergebnisse aus Grube und Labor verglichen werden sollen, dauern, schätzt Scheu. „Aber dann haben wir wieder ein Stück mehr vom Puzzle.“

Kompromiss zwischen Labor und Natur: Ulrich Küppers (v.) und seine Kollegen treffen die letzten Vorbereitungen für das explosive Experiment. foto: leder

Kompromiss zwischen Labor und Natur: Ulrich Küppers (v.) und seine Kollegen treffen die letzten Vorbereitungen für das explosive Experiment. foto: leder

 

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