Italienische Feuerberge im Brennpunkt

Seite MM14 / Münchner Merkur – MÜNCHEN Mittwoch, 7. Januar 2004

Die Geologen Ulrich Küppers und Florian Becker fotografieren Vulkane

Man kann sich das ungefähr so vorstellen: Es ist früher Morgen am Tyrrhenischen Meer, westlich der italienischen Küste. Die Äolischen Inseln sind in Dunkelheit gehüllt. Zu dieser Zeit erreicht jeden Tag die Fähre von Neapel den Hafen der Vulkaninseln Stromboli. An Bord sind wieder einmal die Münchner Geologen Ulrich Küppers und Florian Becker.

Die beiden Freunde sind der Faszination der Feuerberge im Tyrrhenischen Meer erlegen und besuchen seit 1995 jedes Jahr die berühmte Vulkaninselkette. Auch jetzt stehen sie wieder an der Reeling des Schiffs und beobachten, wie der Stromboli sein Feuer ins Meer speit.

Einige Tage werden die beiden sich hier neue Lava-Gesteine anschauen, alte Bekanntschaften pflegen und den Berg erklimmen. Anschließend wird es dann weitergehen zu den Nachbarinseln Lipari, Salina und Vulcano und schließlich noch zum Ätna nach Sizilien.

Zur Zeit sind die beiden Freunde und Fotografen in München und haben einen Diavortrag zusammengestellt. „Auf unseren etwa 30 Reisen sind fast 5000 Fotos entstanden, von denen wir einige zu einem Reisebericht zusammengefasst haben“, sagt Ulrich Küppers. Heute Abend um 20.30 Uhr zeigen sie die besten Bilder im K 41, an der Friedenstraße 10. Ergänzt wird die Reportage durch geologisches Fachwissen und Tipps für eine eigene Reise zu den Feuerbergen.

„Uns hat das Vulkan-Fieber während des Studiums erfasst“, erzählt Ulrich Küppers, der damals ein Praktikum am Vulkanologischen Institut in Catania absolviert hat. Jetzt schreibt er an einer Doktorarbeit über Vulkane an der Ludwig-Maximilians-Universität. Florian Becker arbeitet als Programmierer. Mittlerweile kennen die beiden die meisten Vulkanforscher in Sizilien, in Neapel und auf den Äolischen Inseln. „Wenn sich die Berge in Süditalien rühren, verständigen uns befreundete italienische Vulkanologen“, erzählt Küppers. „Haben wir Zeit, dann packen wir unsere Sachen und fahren runter.“

Ganz ungefährlich ist ihre Leidenschaft nicht. „Vulkane bergen immer eine Gefahr. Ohne Helm sollte man nie auf den Stromboli steigen. Der Berg wirft ständig mit heissem Gesteinsmaterial um sich“, erklärt der Geologe. „Aber auch auf Vulcano oder am Ätna treten aus den Kratern giftige Schwefeldämpfe aus, die die Lungenschleimhäute reizen“, ergänzt Florian Becker.

Derweil hat die Fähre wieder den kleinen Hafen am Stromboli erreicht. Der Morgen dämmert. Am Kai werden die beiden schon von der italienischen Vulkanforscherin Sonja Calvari erwartet. Mit ihr werden sie den ersten Aufstieg zum Stromboli unternehmen.

THORSTEN NAESER

Diavortrag: „FASZINATION VULKAN“ von Florian Becker und Ulrich Küppers; 7. Januar 2004, 20.30 Uhr im K 41, Friedenstr. 10; Eintritt frei

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